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Omega-3 in Kinderwunsch & Schwangerschaft – das sagt die Wissenschaft
Omega-3 in Kinderwunsch & Schwangerschaft – das sagt die Wissenschaft
Omega-3 in Kinderwunsch & Schwangerschaft – das sagt die Wissenschaft
Kaum ein Nährstoff wird rund um Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit so intensiv erforscht wie Omega-3 – genauer gesagt die beiden marinen Fettsäuren DHA (Docosahexaensäure) und EPA (Eicosapentaensäure). In diesem Beitrag ordnen wir die aktuelle Studienlage ein, erklären, was offiziell anerkannt ist, und zeigen, worauf du bei einem guten Omega-3-Präparat achten solltest.
Hinweis vorab: Dieser Artikel dient der wissenschaftlichen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Sprich bei einem Kinderwunsch oder in der Schwangerschaft immer mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Hebamme über deine individuelle Nährstoffversorgung.
Warum DHA und EPA überhaupt so wichtig sind
DHA und EPA sind langkettige Omega-3-Fettsäuren. Der Körper kann sie nur begrenzt selbst aus der pflanzlichen Vorstufe ALA (Alpha-Linolensäure) herstellen – deshalb gelten sie als praktisch essenziell und sollten über die Ernährung oder ein Supplement zugeführt werden.
DHA ist ein zentraler Baustein der Zellmembranen, insbesondere in Gehirn und Netzhaut. EPA spielt vor allem eine Rolle bei entzündungsregulierenden Prozessen im Körper. Beide Fettsäuren stecken hauptsächlich in fettem Seefisch – ein Lebensmittel, das viele Menschen in Mitteleuropa deutlich seltener essen, als die Fachgesellschaften empfehlen.
Omega-3 und Kinderwunsch: Was die Studien zeigen
Die Forschung zur Rolle von Omega-3 in der Kinderwunsch-Phase hat in den letzten Jahren zugenommen. Ein häufig zitiertes Ergebnis stammt aus der Time-to-Conceive-Kohorte, veröffentlicht 2022 in der Fachzeitschrift Human Reproduction: Unter rund 900 Frauen zwischen 30 und 44 Jahren, die auf natürlichem Weg schwanger werden wollten, war die Einnahme eines Omega-3-Supplements mit einer höheren Wahrscheinlichkeit verbunden, in einem gegebenen Zyklus zu empfangen.
Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2024 (Heliyon), die mehrere Studien bündelte, beschreibt eine ähnliche Tendenz – sowohl bei natürlicher Empfängnis als auch im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung (IVF/ICSI).
Wichtig zur Einordnung: Ein Großteil dieser Erkenntnisse stammt aus Beobachtungsstudien. Sie zeigen einen Zusammenhang, aber keinen zweifelsfrei bewiesenen Ursache-Wirkungs-Effekt. Als Baustein einer bewussten Vorbereitung auf eine Schwangerschaft – zusammen mit Folsäure, Jod und einer ausgewogenen Ernährung – wird eine gute Omega-3-Versorgung dennoch häufig empfohlen, auch um die körpereigenen Speicher rechtzeitig aufzufüllen.
Omega-3 in der Schwangerschaft: Die stärkste Evidenz
Die belastbarste Übersicht liefert der Cochrane-Review von Middleton und Kolleg:innen aus dem Jahr 2018. Cochrane-Reviews gelten als Goldstandard der evidenzbasierten Medizin. Ausgewertet wurden 70 randomisierte kontrollierte Studien mit rund 20.000 Frauen.
Das zentrale Ergebnis: Eine zusätzliche Omega-3-Zufuhr in der Schwangerschaft war mit einer geringeren Rate an Frühgeburten verbunden. Die Autor:innen bezifferten die Reduktion des Risikos einer Geburt vor der 37. Woche auf etwa 11 %, das Risiko einer sehr frühen Geburt (vor der 34. Woche) sank in der Auswertung deutlicher.
Zur benötigten Menge hielt das Review-Team fest: Als günstig erwies sich ein Tagessupplement mit rund 500 bis 1.000 mg langkettigen Omega-3-Fettsäuren, davon mindestens 500 mg DHA, beginnend etwa ab der 12. Schwangerschaftswoche.
Stillzeit: Warum DHA auch nach der Geburt zählt
Nach der Geburt endet der Bedarf nicht. DHA gelangt über die Muttermilch zum Säugling und ist dort weiter an der Entwicklung von Gehirn und Sehvermögen beteiligt. Eine ausreichende mütterliche DHA-Zufuhr in der Stillzeit unterstützt also die Versorgung des Babys über die Muttermilch.
Was offiziell anerkannt ist: die EFSA-Health-Claims
Neben der breiten Studienlage gibt es einige Wirkaussagen zu DHA und EPA, die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) geprüft und offiziell zugelassen wurden. Diese gelten als wissenschaftlich abgesichert:
- Entwicklung von Gehirn und Augen des Babys: Die Aufnahme von DHA durch die Mutter trägt zur normalen Entwicklung des Gehirns und der Augen beim Fötus und beim gestillten Säugling bei. Die positive Wirkung stellt sich bei einer täglichen Aufnahme von 200 mg DHA zusätzlich zur empfohlenen Tagesdosis von 250 mg DHA + EPA ein. (EFSA, VO (EU) Nr. 440/2011)
- Gehirnfunktion: DHA trägt zur Erhaltung einer normalen Gehirnfunktion bei (ab 250 mg DHA täglich). (EFSA, VO (EU) Nr. 432/2012)
- Sehkraft: DHA trägt zur Erhaltung normaler Sehkraft bei (ab 250 mg DHA täglich). (EFSA, VO (EU) Nr. 432/2012)
- Herzfunktion: EPA und DHA tragen zu einer normalen Herzfunktion bei (ab 250 mg EPA und DHA täglich). (EFSA, VO (EU) Nr. 432/2012)
Für die Bereiche Fruchtbarkeit und Frühgeburt-Prävention gibt es aktuell keinen eigenen zugelassenen EFSA-Health-Claim. Die oben genannten Studien beschreiben hier den aktuellen Forschungsstand – sie sind aber nicht als offizielle Wirkversprechen zu verstehen.
Worauf du bei einem Omega-3-Präparat achten solltest
Nicht jedes Omega-3-Produkt ist gleich. Diese Punkte lohnen sich beim Vergleich:
- Auf den DHA-Gehalt schauen, nicht auf die Ölmenge. Entscheidend ist, wie viele Milligramm DHA (und EPA) tatsächlich in der Tagesdosis stecken – nicht, wie groß die Kapsel ist.
- Konzentration. Viele Standardprodukte enthalten nur 30–40 % Omega-3 und brauchen entsprechend mehr Kapseln für dieselbe Wirkmenge. Hochkonzentrierte Öle kommen mit weniger Kapseln aus.
- Frische und Oxidationsschutz. Fischöl kann ranzig werden. Technologien und Verarbeitung, die die Oxidation minimieren, sorgen für bessere Verträglichkeit – Stichwort: kein fischiges Aufstoßen.
- Herkunft und Nachhaltigkeit. Zertifizierungen wie Friend of the Sea und ein transparent deklarierter Rohstoff geben Orientierung.
- Verträglichkeit. Kleinere Softgel-Kapseln sind gerade bei Schwangerschaftsübelkeit angenehmer zu schlucken.
Fazit
DHA und EPA gehören zu den am besten untersuchten Nährstoffen rund um Schwangerschaft und Stillzeit. Für die Entwicklung von Gehirn und Augen des Babys ist die Datenlage so solide, dass die EFSA dazu offizielle Wirkaussagen anerkennt. Für die Kinderwunsch-Phase und die Frühgeburt-Prävention deuten Studien in eine positive Richtung – hier lohnt sich eine gute Versorgung als Teil einer bewussten Vorbereitung, auch wenn es noch keine offiziellen Claims dazu gibt.
Wer den eigenen Bedarf decken möchte, achtet am besten auf einen hohen DHA-Gehalt pro Tagesdosis, eine hohe Konzentration und ein gut verträgliches, frisches Öl.
Quellen
- Middleton P, Gomersall JC, Gould JF, Shepherd E, Olsen SF, Makrides M. Omega-3 fatty acid addition during pregnancy. Cochrane Database of Systematic Reviews 2018, Issue 11. Art. No.: CD003402.
- Stanhiser J, Jukic AMZ, McConnaughey DR, Steiner AZ. Omega-3 fatty acid supplementation and fecundability. Human Reproduction, 2022; 37(5):1037–1046.
- Meta-Analyse zu Omega-3 und weiblicher Fertilität, Heliyon, 2024.
- Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA): VO (EU) Nr. 440/2011 sowie VO (EU) Nr. 432/2012.
Dieser Beitrag fasst die wissenschaftliche Studienlage zusammen und dient ausschließlich Informationszwecken. Er stellt keine Heilaussage und keine individuelle Gesundheitsberatung dar. Bitte besprich Nahrungsergänzung in Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit mit medizinischem Fachpersonal.
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